Pädagogische Hochschule

"Verrückte SchülerInnen - gestörte Schule: Umgang mit Unterrichtsstörungen" - Ein Bericht zum Kolloquium am 22. März 2018 in Brugg

Die Konzert- und Kolloquiumsreihe «Musik und Mensch», die sich in diesem Jahr mit «Ver//rückungen» auseinandersetzt, nahm sich am 22.3.2018 eines besonderen Themas an: Unterrichtsstörungen. Wie nur wenige andere Fächer sieht sich das Fach Musik immer wieder mit unterschiedlichen Unterrichtsstörungen konfrontiert und jede Lehrerin und jeder Lehrer muss Wege finden, sich dieser Herausforderung zu stellen. Entsprechende Resonanz fand der Vortrag von Prof. Dr. Markus Neuenschwander, dem Leiter des Zentrums Lernen und Sozialisation der PH FHNW.

In seinem Referat stellte Neuenschwander zwei an seinem Zentrum entwickelte präventive Ansätze vor, die Lehrer bei ihrer Arbeit unterstützen sollen und helfen, Unterrichtsstörungen zu reduzieren. Beim sogenannten InSSel-Programm handelt es sich um eine unterrichtsergänzende Massnahme, die sich an Schüler und Schülerinnen richtet, die aufgrund ihrer gering ausgebildeten Sozialkompetenzen Gefahr laufen, später auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt zu werden. InSSel steht für «Intervention zur Förderung von Sozial- und Selbstkompetenzen in der Schule». Lernende erhalten hier ein Jahr lang die Möglichkeit in Gruppen gemeinsam mit einem Jugendcoach innerhalb eines zusätzlichen Nachmittagsangebots ihre Sozial- und Selbstkompetenzen durch selbstgewählte Projekte zu stärken.

Der Fokus-Ansatz nimmt Unterrichtsstörungen direkt in den Blick und bietet Lehrerinnen und Lehrern, die sich für diese Fortbildung entscheiden, eine umfangreiche Palette an Massnahmen und Hintergrundinformationen, um Unterrichtsstörungen adäquat zu begegnen. Beide Ansätze wurden vom Zentrum für Lernen und Sozialisation nicht nur entwickelt, sondern auch begleitend beforscht und evaluiert – mit positiven Ergebnissen.

Im Anschluss an den informativen Vortrag stand Professor Neuenschwander dem erfahrenen Musiklehrer, Schulleiter, Dozent und Vater Gabriel Imthurn als Diskutant sowie dem interessierten Publikum Rede und Antwort. In der Diskussion kristallisierte sich immer stärker die Frage heraus, worin die Ursachen für Unterrichtsstörungen liegen und welche Form von Schule wir brauchen, die Schüler und Schülerinnen auf die Herausforderungen unserer Zeit vorbereitet, ihnen einen sinnvollen Entfaltungsraum bietet und der sie motiviert, sich engagiert in Schule und Gesellschaft einzubringen. Schliesslich gab es Überlegungen, ob nicht regelmässiges Musizieren in der Schule sich positiv auf das Sozialverhalten und die Selbstkompetenzen von Schülern auswirken könnten und dies in einem möglicherweise gemeinsamen Forschungsprojekt näher untersucht werden könnte. So brachte dieser anregende Abend unterschiedlichste Ideen für die Unterrichtspraxis, Forschung und Lehre.

 

Gabriele Noppeney, ISEK

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